Donnerstag, 20. Dezember 2007

Der Südligenbericht von Catherine Zeta-Bohlen

The one and only Spielvorbericht, oder: So voller Unruhe ist men Herz:
Sonntag, 23.12.2007, 19 Uhr, Nou Camp, Barca vs. Real. Johan Cruyff – zu einem Mythos und einer Fleisch gewordenen Autorität kann man keine näheren Erklärungen abgeben, ohne finster zu freveln – bezeichnete dieses Spiel einmal als „die Essenz des Fußballs“: Gut gegen Böse also. Und wenn man wie ich von der Straße kommt und es nach zähem Kampf und langem Ringen ganz nach oben geschafft hat (eigener Blog, Props und Freigetränke in jeder Fußballkneipe), dann nennt man es einfach „die Essenz des Hasses“, das, wonach wir ewig und sehnsüchtig in unserem Leben suchen, wenn wir, wie all die anderen bekloppten Zeitgenossen, auf den falschen Weg geraten sind. (Dahinter steckt sicher auch die Erkenntnis, dass nicht der Fußball im eigentlichen Sinne eine „Sprache“ ist, die jeder auf der Welt versteht, sondern der Hass ist es. Schlimm, schlimm, kann man da nur sagen.) – Am Sonntag nun wieder der „clásico“, und jeder und jede wird sich ernsthaft fragen, warum Real nicht einfach ein Einreiseverbot nach Barcelona erhält, ihnen das Visum verweigert wird – diese Schmutzfinken einmal im Jahr im Nou Camp, es tut immer wieder aufs Neue sehr weh. Richtig dolle weh tut auch, dass Lionel Messi in dieser Partie nicht für Barca auflaufen wird, er verletzte sich beim 3:0-Auswärtssieg gegen den FC Valencia (Tore: zweimal Eto’o, einmal Gudjohnson). Schwere Zeiten für Ronald Koeman in Valencia, der gleich mal Torhüter Canizares aus dem Team schmiss, obwohl der gar nicht so schlecht gehalten hatte; bis auf die drei Dinger halt. Der niederländischer Trainer muss sich nun einiges anhören, vor allem das: Unter Flores spielte die Mannschaft zwar hässlich, aber sie gewann doch recht viele Spiele. Unter Koeman spielt sie auch hässlich, verliert aber dauernd oder spielt nur 0:0, womit auch kein Staat zu machen ist. Natürlich spielte letztes Wochenende auch Real MadRIP, zu Hause gegen Osasuna sprang ein 2:0-Erfolg raus – war bestimmt furchtbar und völlig unverdient. Ganz sicher.

Weitere wichtige Neuigkeiten in knappem Stil: Inter in good old Italia auf Meisterkurs. Bei Juve glänzen Buffon und del Piero gegen Lazio. Sogar das ewige Sorgenkind Cassano gab für Sampdoria mal wieder eine richtig gute Vorstellung und fehlt auf Grund zu vieler gelber Karten bei der Partie gegen seinen Ex-Club, dem AS Rom. Er hat, soweit ich weiß, geweint. Er wollte unbedingt wieder zurück ins geliebte Olimpico. – Milan ist Boss der Welt. Gegen Boca gab’s ein 4:2 im Finale um den Weltpokal, oder wie immer der gerade heißen mag (Gruß an die Freunde von der FIFA). Kakà und Super-Pippo Inzaghi glänzten was das Zeug hielt. – Der „Bestes bengalisches Feuer“-Preis des Monats geht nach Griechenland, Olympiakos gegen AEK letztes Wochenende (1:0, Tor: Kovacevic). – Ein Trostpreis geht an die Bürgermeister von Rotterdam und Amsterdam, die auf Grund des Streiks der Polizei in den Niederlanden die Sicherheit in und um den Stadien der beiden Städte nicht garantieren wollten, weswegen die Spiele dort vom niederländischen Fußballverband abgesagt werden mussten, darunter auch die Partie Ajax gegen PSV, oder war es Feyenoord gegen den PSV? Wer soll da noch durchsehen?

Das war nicht knapp, Mann!
Sorryporry!

Donnerstag, 6. Dezember 2007

Der Südligenbericht von Catherine Zeta-Bohlen

Digital Messi: Das deutsche Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ ist zu einem solchen Sautzblatt verkommen (oder war es schon immer so?), dass jeder und jede, die halbwegs einen Löffel halten und einen zusammenhängenden Satz sprechen können, schreiend dieses Konglomerat aus Kinderfickerstorys, Parteiendemokratieunsinn und abgeklärtem Hysteriegemache in die Ecke schleudern müssen, um sich anschließend in eine winzige Klause zurückzuziehen und nur noch Stifter und Goethes naturwissenschaftliche Schriften zu lesen. Aber ab und zu verwerten die Leute vom „Spiegel“ mal eine Idee, die natürlich jemand anderes entwickelt hat, und geben sie zum Besten. Letzte Woche („Spiegel“-Titel: „Dollar Sturzflug“, soso ...) ließ Christoph Biermann einen Artikel über Lionel Messi im Sportteil ab: der kleine Argentinier als Prototyp eines neuen Fußballspielers und die Nachwuchsarbeit des FC Barcelona. Darin wurde auch die These Klaus Theweleits (Kulturwissenschaftler, der sich seit der WM 2006 scheinbar liebend gern mit Fußball beschäftigt) kolportiert, dass Messi auch einer der ersten „digitalisierten Fußballspieler“ sei, einer, „dessen Spielweise durch seine Erfahrungen in virtuellen Welten beeinflusst sei. Diese würden für ein anderes Raumgefühl sorgen, das bei der inzwischen im Fußball zunehmend vernetzten Organisation auf dem Spielfeld hilfreich ist.“ Im Klartext: Messi zockt unglaublich gern Playstation und das schon lange, und er soll ein ziemlicher Könner auf der Konsole sein. Und laut dem Gespräch , das Messi freundlicherweise mit dem „Spiegel“-Menschen führte, spielt der „Atom-Floh“ auf der Playse mit seinem Team, und zwar sich selbst. Die Frage, ob der virtuelle Messi besser sei als der reale, quittiert er mit einem Nicken. Bestimmte Sachen versucht er auf dem Feld nachzumachen. So wohl auch am letzten Sonnabend, beim Derby gegen Espanyol Barcelona, als er immer wieder zu glänzen wusste und das 1:0 durch Iniesta mit einem Sololauf durch Espanyols Abwehrreihen auflegte. Allerdings äußerte Messi auch, dass Einiges aus der virtuellen Welt auf dem Platz nicht möglich sei. Dazu gehören für Barca zurzeit die Auswärtssiege in der Liga. Selbst bei Espanyol, gegen das man nur einen Granatwerferwurf vom Nou Camp entfernt spielen musste, sprang nur ein Punkt raus, 1:1 in der zweiten Halbzeit. (Da die Hauptstadthurensöhne von Real zu Hause gegen Santander gewannen, hat Barca auf Rang zwei nun wieder vier Punkte Abstand zur Spitze. Villarreal nach Niederlage punktgleich Dritter, Atletico Madrid nach Sieg Vierter, Espanyol und Valencia folgen.) Dabei verhielten sich viele der Espanyol-Spieler gegenüber ihren Kontrahenten und dem Schiri wie Sozialdemokraten gegenüber traditionellen Bildungssystemen: sie witterten überall Benachteiligung und schrammten damit ordentlich an Realität vorbei, denn Leistung bleibt bei uns im good old Abendland doch wohl weiterhin ein sittliches Gesetz, oder?

Klaro! – Prompt wurde nämlich unser junger Lieblingsbrasilianer Kakà zum besten Fußballer Europas (das ist die neue Ausdrucksweise für „Abendland“) gekürt und durfte den „Ballon d’Or“ mit nach Hause nehmen (auf den Plätzen folgten Cristiano Ronaldo und unser Messi). Der Südligenbericht unterstützt diese Wahl aufs Entschiedenste, denn Kakà ist nicht nur der neue Cruyff, sondern er will nach dem Profigekicke protestantischer Pfarrer werden, wodurch der Protestantismus innerhalb des Kirchenwettbewerbs die Nase vorn haben dürfte. Und außerdem: mit der Verbreitung des Glaubens ist es wie mit dem Fußball: „Viele fühlen sich berufen, doch nur wenige sind auserwählt.“

Dass das Auserwähltsein nachlässt, dies wiederum auf Grund von Leistung und deren Abnahme, kommt hin und wieder auch mal vor. Sturmgott Romario, natürlich ein Ex-Barca-Recke, hat vor einiger Zeit sein 1000. Tor geschossen, nach eigener Rechnung, und fiel nun durch einen positiven Dopingbefund unangenehm auf (natürlich nur bei Spießern). Allerdings wurde bei ihm lediglich ein Stoff nachgewiesen, der Dopingsubstanzen verschleiern kann und sich u. a. in einem Mittel gegen Haarausfall befindet, welches schon seit drei Jahren bekannt und in Profisportkreisen geächtet ist. Als alte Sozialdemokratin sage ich: Leistung muss auch befeuert werden und Haare sollten nicht schon mit Anfang vierzig ausfallen dürfen.