Dienstag, 26. Februar 2008

no country for white (dressed) boys

Der Südligenbericht von Catherine Zeta-Bohlen ...
... mit zwei Überschriften – zur freien Auswahl – für die Primera Division bzw. den espaniolischen Fußball: 1. Ho, ho, ho, der Punkteabstandsfraß geht um! 2. Achtung, Klugscheißer-Alarm! Beide ziemliche Kracher, aber ich tendiere eher für die erste Variante. Nun, sei es, wie es sei – Real mit drei Niederlage innerhalb von acht Tagen ... wann war der Herrgott das letzte Mal so gnädig?
Der personifizierte Engel der Rache, Gnade, oder wie man es auch immer nennen will, war Uche von Getafe, die im „kleinen“ Madrider Derby im Bernabéu gegen die weißen Widerlinge antreten mussten. Und jener Uche traf für die Vororttruppe (denkt jetzt einfach mal an Königs Wusterhausen bei Berlin) in der 64. Minute, und er und seine Kollegen verhinderten zudem höchst gekonnt, dass Real irgendwie den Ball im gegnerischen Tor unterbringen konnte. Und schwups, schon konnte ich schnell und friedlich einschlummern, ohne mich vorher mit Gallonen von Schnaps zu betäuben (Gruß an den besorgten Hausarzt!).

Nach der sicher unglücklichen aber voll gerechtfertigten Auswärtspleite der Schuster-Schwachmaten aus der schpanischen Hauptstadt vorletztes Weekend bei Betis ist es nun seit Sonntagabend amtlich: Barca verkürzt den Abstand zu Real von acht auf zwei Punkte und ist wieder mächtig im Meisterschaftsgeschäft, das die Realos schon fast sicher in ihrer ausgebeulten Tasche glaubten und daher bereits vor zwei Wochen vollmundig kolportieren ließen, dass man mit Schuster dringend und unbedingt vorzeitig verlängern möchte, inklusive Aufstockung des Gehalts des blonden Engels. Nun droht sogar ein Titel-Weltenbrand bei den Madrilenen: Denn in der Champions League gab’s unter der Woche beim AS Rom eine 1:2-Niederlage, bei der mal wieder die taktische und spielerische Überlegenheit nicht in Tore umgemünzt werden konnte (ein Problem, das man von Barca in den letzten Jahren auch kennt). Die Roma spielte trotz ihres hoch gelobten Kombinationsspiels eher abgeklärt italienisch und nutzte wenige Chancen eiskalt. Und das mit zwei gesundheitlich stark angeschlagenen Leistungsträgern: Totti kotzte mehrfach vor dem Spiel (wer will es ihm bei diesem Gegner verübeln?) und de Rossi schrammte mit 38,5 Grad Körpertemperatur nur knapp am Delirium vorbei. (Da wäre nun wieder ein Gruß an meinen Hausarzt angebracht.) Nach dem Spiel, das im Vorfeld für Messerstechverletzungen bei zwei Real-Fans gesorgt hatte, zeigte Schuster mal wieder eine seiner leidlich bekannten Schwächen: Als schlechter Verlierer sah er die Ursache der Niederlage allein in dem deutschen Schiri Fandel (dabei weiß doch jeder und jede: der ist einer der besten, hat die schrägste Stimme unter den europäischen Pfeifenbetätigern und ist außerdem von Beruf Konzertpianist, was ihn sowieso unantastbar macht – immer wenn’s mal wieder Stunk gibt, setzt er sich zu Hause an den Flügel und bewältigt die lästige Realität mit Bachs „Kunst der Fuge“), der allerdings selbst in den spanischen Zeitungen gut weg kam und bei Diarras Fouls Gnade vor Recht walten ließ.

Barca brauchte einen Tag später bei Celtic in Glasgow kaum Schiri-Unterstützung: die äußerst heimstarken Grün-Weiß-Katholiken wurden 3:2 besiegt und neben dem unglaublichen Messi (nun Torschützenchef in der Champions League) konnte sogar der gesundete Ronaldinho wieder glänzen. Trotz ansteigender Form blieb er aber auch gegen das Tabellenschlusslicht Levante im Camp Nou gegen den kleinen Messi einen Tick zu blass als in früheren Zeiten. Der kleine Argentinier schoss ein Tor und bereitete zwei vor und führte die Katalanen zu einem 5:1-Sieg, bei 75% Ballbesitz. Eto’o mit einem lupenreinen Hattrick in der zweiten Halbzeit, der nun in sieben Spielen nach seiner Verletzung achtmal traf. Nun geht’s zu Atletico nach Madrid, wo es ungleich schwerer werden dürfte.

Beim Stichwort Hattrick wären wir auch ganz schnell in Italien, dessen stiefmütterliche Behandlung an dieser Stelle bald ein Ende haben sollte: Borriello, Stürmer des FC Genua, holte sich beim 5:3-Auswärtssieg bei Udinese Calcio mit drei Treffern in der zweiten Halbzeit genauso wie Eto’o die exklusive Eintrittskarte zur Mega-VIP-Lounge der lupenreinen-Hattrick-Schützen. Trotz Inters Unentschieden bei Sampdoria (der zu alter Bestform auflaufende Cassano brachte die Genuesen in Front, bevor Crespo ausgleichen konnte), wird’s oben in der Tabellen kaum spannender. Roma-Florenz 1:0, Reggina-Juve 2:1 und Milan-Palermo 2:1, bei dem der eingewechselte Inzaghi in der Nachspielzeit den Siegtreffer erzielte. Bei Palermo versagte in diesem Fall eine sehr bewährte Motivationsmethode: die Beschimpfung der Mannschaft durch den Vereinspräsidenten. Dieser hört auf den Namen Maurizio Zampiani und bezeichnete sein Fußball-A-Männer-Team kürzlich mit folgenden höchst konkreten aber doch lyrischen Umschreibungen: „Mädchen“, „Amöben“, „schlechteste Team im Profifußball“, „eine Beleidigung für die Stadt Palermo“. Schimpfen is auf jeden Fall the new loud!

Ein südliches Thema, das mich fast vom Fußball ablenkte: Cormac McCarthy, der letzte lebende Schriftsteller und brutal-düstere Sänger des amerikanischen Südens, darf dank der Coen-Brüder, und mittels des Kinos, wohl eine größere Anzahl von Menschen als bisher verunsichern. Meine Versuche, einfach mal ins Kino zu gehen, scheiterten jedes Mal, denn wenn der Trailer zu „No Country for old Men“ während der Werbung lief, musste ich danach den Hauptfilm innerlich in die Tonne kloppen. Wer von Maradonna erfahren hat, wird das Stadion verlassen, wenn er letztlich nur Carsten Ramelow beim Ball-Verfolgen zusehen darf.

Mittwoch, 13. Februar 2008

Der Südligenbericht von Catherine Zeta-Bohlen...

... nennt die Dinge beim Namen: Riesenscheiße. Das ist eine Sache, die immer wieder von uns Besitz ergreift, in unser Leben eintritt, unerwartet und in schöner Regelmäßigkeit die Welt dominiert. Und zur Welt gehört nun einmal auch die Primera Division, die von der Riesenscheiße in Form einer uns leider wohlbekannten weißen Pest befallen ist. 7:0 schlägt Real zu Hause Valladolid, und auch wenn das, gerade für ein Heimspiel, keine Riesensensation (also wesentlich kleiner als die angesprochene Scheiße) ist, lähmt es doch eine Menge guter Menschen auf der ganzen Welt, stürzt sie in Trauer und Verzweiflung; und wahrscheinlich sind nun auch Gewaltakte möglich – jedoch, immer wenn man mal diese Real-Anhänger trifft, laufen sie weg, anstatt sich den Vorwürfen und der Konfrontation zu stellen. So wie in der Liga, versuchen sie immer schön auf Abstand zu bleiben.
Sollte diese teuflische Strategie aufgehen, werden Köpfe rollen – oh, natürlich nur im übertragenen Sinne. Und es sollen ja dann auch neue Köpfe und die dazugehörigen Körper kommen. Im Klartext: Bei Barca wird sich wohl das Personalkarussell mächtig drehen, so ist zumindest allen relevanten Medien (Videotext und dieses Internet) zu entnehmen. Welche und wie viele Spieler, und ob auch der Trainerstab um Frank Rijkaard gehen muss, kommt auf die Ausbeute an Titeln am Ende der Saison an.

Als sichere Abgänge tauchen immer wieder die Namen Ronaldinho (verhandelte angeblich ja schon mit Milan und Chelsea und hat entweder eine Formkrise oder ist anderweitig unmotiviert) und Deco (möchte wieder mehr Einsatzzeit, die er wohl bei einem anderen Club bekommen dürfte) auf. Als kreativer Ersatz im Mittelfeld soll angeblich Diego von Werda Bremen in Frage kommen (nach anderen Quellen das kroatische Supertalent Modric von Dinamo Zagreb), der dann allerdings Xavi und Iniesta auf den Füßen stehen würde. Außerdem wären wohl sehr viele Menschen sehr glücklich, wenn Cesc Fabregas von Arsenal zurück nach Hause zu Barca käme, aber den Plan scheinen die Verantwortlichen im Club aufgegeben zu haben. Schnüff!

Weitere Veräußerungskandidaten: Zambrotta, Gudjohnson, Giovani dos Santos, Oleguer (bei den beiden letztgenannten verwundert das ein wenig, grade Giovani gilt doch derzeit als Rohdiamant – für beide gibt es Angebote italienischer Clubs). Außerdem auslaufende Verträge bei: Edmilson, Thuram, Sylvinho, Ezquerro. Tja, wer zahlt dann die Krankenkasse von denen, hä? Bei Thuram dürfte die Sache klar sein: in der Karibik braucht man solchen sozialdemokratischen Schnickschnack nicht. Der Verteidiger möchte ja irgendwann nur noch für Guadeloupe, das französische Überseedepartement, aus dem er, wie Henry auch, stammt, spielen.

Und wer soll kommen? So gut wie sicher dürfte der junge argentinische Innenverteidiger Ezequiel (als alte Alttestamentlerin entzückt mich sein Vorname) Garay von Racing Santander in der katalanischen Metropole landen. Mit Philipp Lahm soll es auch schon eine Übereinkunft geben, die Frage ist nur, ob schon in diesem Jahr für money oder 2009 für umme kommt. Ein weiterer Außenverteidigerkandidat: Dani Alves vom FC Sevilla, dessen Wechsel letzte Saison zum FC Chelsea platzte, der aber angeblich unbedingt zu Real wollte – igitt! Auf den sollte man deswegen wohl verzichten. Die Sau! Zum Schluss wären da noch zwei Stürmer, die sich selbst ins Gespräch gebracht haben. Didier Drogba will ja, spätestens seitdem Mourinho aus London verschwinden musste, unbedingt wechseln. Milan und Barca waren seine letztgenannten Favoriten. Yaya Touré, Mittelfelder bei Barca und Drogbas Kollege bei der ivorischen Nationalmannschaft, äußerte nun in einem Interview, dass Drogba unbedingt zu Barca wolle, das sei sein Traumverein (Obacht bei solchen Lippenbekenntnissen!), der dann mit dem afrikanischen Traumsturm Eto’o-Drogba (die zwei sollen ja angeblich befreundet sein) aufwarten könnte. Angeblich gab es am Rande des Afrika-Cups schon Gespräche mit Txiki Begiristain, dem Barca-Sportdirektor, der aber eigentlich mehr auf den Nachwuchs setzt, also Messi und Bojan, die man glücklicherweise in den eigenen Reihen weiß und nicht mehr kaufen müsste. Daher erscheint ein anderer Stürmer etwas realistischer: Karim Benzema (der neue Dennis Bergkamp) von Olympique Lyon, der kürzlich in einer spanischen Sportzeitschrift sagte, dass er irgendwann einmal bei Barca spielen möchte – kann er haben.

Da weiß man nun gar nicht, was man hoffen soll: viele Titel in dieser Saison, für die geschundene Seele? Möglichst wenige, für das Großreinemachen? Auf Grund dieser Ambivalenz lassen wir Dr. G. Benn, Barcas offiziellen deutschen Hofdichter mit zwei Zitaten zu Wort kommen: 1. „Kann keine Trauer sein“. 2. „Dennoch die Schwerter halten“.