Mittwoch, 30. April 2008

Der Südligenbericht von Catherine Zeta-Bohlen

Kein Blech für Barca, und auch zu viele falsche Verteidiger des Abendlandes

Es war ja klar! Im ressentimentgeladenen Diskursraum des Fußballs musste im Laufe des Abends mal dieses Wort fallen: „Inselaffen!“ Sie werden das Champions-League-Finale 2008 bestreiten, und Barca wurde als letzter möglicher Verhinderer von ManU und eines reinen Inselaffenfinales obszön blöde im Halbfinale rausgekegelt. ManU, eine Mannschaft die Mittelfeldakteure wie Fletcher, Carrick oder O’Shea ihr eigen nennt und die mit Cristiano Ronaldo angeblich den Spieler der Saison stellen – einer, der mal wieder den Zirkusclown gab und wie schon in der letzten Saison in beiden Halbfinalspielen schwer enttäuschte. Was waren das doch für Zeiten, als Cantona noch seinen Aggro-Esprit für die red devils versprühte. Long time ago, Alter!
Aber: Wer auf einen Sonntagsschuss von Paul Scholes keine Antwort, in ein Tor materialisiert, findet, der hat’s wohl auch nicht richtig verdient. (Obwohl, man könnte hier doch eine Weile über den nicht gegebenen Elfer fachsimpeln. Fällt aber aus wegen is nich!)
Ist England, bzw. dessen aufgepumpter Clubfußball, nun das Aushängeschild, und das Schwert, des Abendlandes? Nee! Denn man muss die, die nur so tun, erkennen und entlarven. Dazu eine Episode vom Wochenende: In einem Gasthof in einem Dorf der Peripherie Berlins war ich zu einem Klassentreffen geladen. Grundschule, erste bis dritte Klasse, schon lange weg dort und auch schon lange nicht mehr gesehen. Man schaute also freundlich in die Runde und versuchte Biografien abzugleichen. Ein dicker Typ mit Glatze und sehr kleiner Brille war mir erst kaum aufgefallen. Als er denn mal das Klo aufsuchen musste, schaute ich ihm versonnen hinterher und konnte erstmals den Aufdruck auf dem Rücken seines Kapuzenpullis zur Gänze lesen: „Aryan Brotherhood“. Auf Deutsch wäre es vielleicht etwas überraschender und schmerzhafter gewesen, „arische Bruderschaft“, aber so sagte ich mir einfach nur: „Nee!“ Das sind genau die Falschen, die wir für die Verteidigung des Abendlandes brauchen, ähnlich wie die englischen Clubs im Champions-League-Finale. Das ist alles falsch, aber wahrscheinlich wird er es nicht verstehen, egal, wie ich es ihm auch verklickern würde. – Ungefähr zeitgleich ging Barca in der Liga bei La Coruna unter. (So etwas fällt ja nicht umsonst zusammen. Auch ohne pathologische Schizophrenie muss man die Zeichen zu lesen verstehen. Logo!)
Im Leben wie im Fußball heißt es also, egal wie weit man schon ist, immer weiterzumachen und die Dinge zu ändern. Auch wenn einem mal die eigene Biografie mal im Stich lässt.
Wir sagen also Tschüssi zur „arischen Bruderschaft“, zu Ronaldinho, zu Thierry Henry, und hoffentlich auch zu Paul Scholes. Und begrüßen die Menschen, die einfach nur Fußball und Playstation spielen wollen: Bojan und Messi zum Beispiel. Danke, ihr Knaben!

Was fehlt: Zu Ronaldo, el fenomeno, und die um ihren Lohn geprellten Transvestiten wird hier nix gesagt. Ist uns doch allen schon irgendwie mal passiert, oder? (Übrigens kokste Ronald Schill zum gleichen Zeitpunkt nur ein Hotelzimmer weiter sich gerade das Juristennäschen blank. Der hätte das verletzte Dickerchen sicher gnadenlos rausgehauen.)

Mittwoch, 16. April 2008

Der Südligenbericht von Catherine Zeta-Bohlen

Ciao Patrone – Italien spielt und wählt
Am Wochenende wusste man gar nicht wohin mit seiner Nervosität in Bezug auf Italien: Wie wird es oben in der Tabelle aussehen, wie oben an der Spitze des Staates, der Politik?
In der März-Ausgabe des „Merkur – Deutsche Zeitschrift für europäisches Denken“ hatte der Turiner Politikwissenschaftler Gian Enrico Rusconi dem politischen Verhältnis zwischen Italien und Deutschland eine „schleichende Entfremdung“ attestiert, eine Erkenntnis, auf die man beim Thema Fußball nicht unbedingt stoßen muss, denn immerhin durfte Deutschland 1990 in Italien Weltmeister werden und die Deutschen revanchierten sich artig 2006 im eigenen Land. Das zeugt doch eher von Fairness und Respekt.
Wie dem auch sei, „Cavaliere“ Berlusconi war zum dritten Mal angetreten, die politische Macht in Italia zu erobern (seine Wahlliste trägt den phantastischen Namen „Volk der Freiheit“). Sein Kontrahent, der ehemalige Römer Bürgermeister Walter Veltroni, versuchte sich als der italienische Barack Obama zu verkaufen, oder, um beim Original zu bleiben, als der italienische John F. Kennedy. (Man kann nur hoffen, dass das nicht impliziert, dass er vorhat, bei einem Attentat ums Leben zu kommen, sondern, dass man auf schmissige Slogans und Phrasen steht.) Leute mit einem feinen Gespür fürs Politische hatten sicher schon geahnt, dass Berlusconi einen grandiosen Sieg feiern wird. Immerhin gelang es ihm bzw. seinem Club, dem AC Mailand, scheinbar nach langem Sehnen, Ronaldinho von Barca loszueisen. So ließ denn auch Milan-Vize Galliani nach den Verhandlungen mit Ronnies Bruder verlauten: „Wir sind uns einig.“ Und auch die Wahl gestaltete sich sehr erfolgreich für den stets frisch wirkenden Medienzar: klare Mehrheiten in beiden Kammern, dem Abgeordnetenhaus und dem Senat, für das „Volk der Freiheit“ und der verbündeten Lega Nord (norditalienische Autonomisten) und MPA (süditalienische Autonomisten). Doch das Misstrauen der Italiener gegenüber den Institutionen und dem politischen System des Landes bleibt bestehen. (Viele fordern gar die Einführung des deutschen Wahlrechts, ohne jedoch die Tücken zu kennen: Abgeordnete der APPD und der Tierschutzpartei wird man im Bundestag wohl noch lange vermissen.) Trotz hoher Wahlbeteiligung, ca. 82%, sollen viele Italiener vor den Wahlurnen ihre Wahlzettel zerrissen haben, ein Unternehmer in Neapel aß ihn gar auf. Dies inspirierte den „Cavaliere“ scheinbar dazu, die erste Sitzung seines neuen Kabinetts in Neapel abzuhalten, u.a. als Zeichen des guten Willens, endlich das Müllproblem dieser Stadt in Angriff zu nehmen.
Um Verschwörungstheorien, die unheimlichen Erfolge des Silvio Berlusconi bereffend, vorzubeugen, verlor am Sonnabend jedoch Milan bei Juve und kann nun möglicherweise Ronaldinho möglicherweise in der nächsten Saison keinen Einsatz in Champions League bieten. Man dümpelt weiter auf Platz fünf herum. Del Pieros frühe Führung wurde von Inzaghi schnell egalisiert. Super-Pippo traf darauf sogar zum 1:2. Dann schwang sich jedoch Hasan Salihamidzic zum großen Matchwinner auf, besorgte kurz vor der Pause das 2:2 und in der 80. Minute gar die 3:2-Führung, beides per Kopf. Bei Milan half Bonera kräftig mit und sah in der 66. wegen groben Foulspiels die rote Karte. Alles sehr ärgerlich für Milan, denn der Viertplatzierte, Florenz, verlor bei Inter mit 0:2. Das bedeutet: doppelter Schmerz für die Fiorentina, denn nichts hasst man in Florenz so sehr wie die „Bastarde von Juventus“ – dafür durfte man den vierten Platz und das Ticket zur Qualifikation zur Champions League behalten. Der AS Rom, vermutlich der Verein, dem Walter Veltroni die Treue hält, machte unterdessen alles richtig und gewann bei Udine mit 3:1. Trotz des Müllproblems schlägt sich übrigens der SSC Neapel wacker und recht erfolgreich in der ersten Saison nach dem Aufstieg in die Serie A. Außerdem behauptet Sampdoria Genua mit Erfolg Rang sechs und kann sich auch noch die Zähmung des Über-enfant-terrible des italienischen Fußballs, Antonio Cassano, auf die Fahnen schreiben, der bisher eine überragende Saison spielt und nur einmal wirklich austickte, als er den Schiri in einer Partie mit seinem Trikot bewarf, und den wir hoffentlich auch bei der EM sehen werden, Herr Donadoni!
Ein erster Versuch, Berlusconi den Wahlsieg zu vermiesen: Inter-Boss Moratti, ebenfalls schwerreich aber eher Repräsentant des linksliberalen Establishments, meldete nun an, dass sein Club ebenfalls sehr an den Diensten Ronaldinhos interessiert sei. Fazit dieser Stichelei: Das Schicksal ist so unberechenbar, dass es einem auf der einen Seite zum Wahlsieg verhilft und auf der anderen den Zugang zur Champions League verweigert. Dantische Ausmaße!

Was nicht fehlt: Eine nicht abgesprochene Marketingaktion für tribuenenbrand.de in Groningen, beim Spiel FC Groningen-Ajax. Fans (ja, ja, die sogenannten ...) hatten Papier in Brand gesetzt, woraufhin die Polizei die Tribünen räumte und das Spiel abgesagt wurde ... Wir befinden uns nun auf der Flucht vor den holländischen Behörden ...

Dienstag, 1. April 2008

Der Südligenbericht von Catherine Zeta-Bohlen

Die Tränen des Lionel Messi
Einst werden wir sagen: Es war die Zeit, als Frank Rijkaard seine letzte Saison als Cheftrainer beim FC Barcelona durchlebte und vor der Ablösung durch José Mourinho stand, als sogar David Odonkor (Betis Sevilla) eine gute Figur gegen Barca machte, als der ehemalige Messias Ronaldinho aufhörte Messias zu sein, scheinbar nur noch aß und trank und deswegen kaum noch trainieren und gar nicht mehr spielen konnte, als Thierry Henry seine kleine Tochter vermisste, die bei seiner Exfrau in London – die Stadt, aus der Herny kam und in die er am besten auf schnellstem Wege wieder zurückgekehrt wäre – geblieben war, als Messi auf dem Rasen des Nou Camp lag und weinte, von einem Muskelfaserriss niedergestreckt, zugezogen im Champions-League-Achtelfinalrückspiel gegen Celtic Glasgow (das schon im Hinspiel so gut wie entschieden wurde, so dass Messis Einsatz vor allem auf den Druck der Presse und des Publikums zurückzuführen war), weinend, die kommenden Dinge und den nahenden Verfall ahnend, an Rijkaards großem Körper nur unzureichend Trost findend. Und als Real Meister wurde und das Lamm das Buch mit den sieben Siegeln empfing und diese öffnete und die sieben Engel erschienen und damit begannen zu posaunen und die Plagen und Unglücke über die Menschen und die Erde kamen und die Apokalypse in vollem Gange war. ... So wird man einst sprechen. Vielleicht wird man sich aber auch an das unschuldige Gesicht des 17-jährigen Bojan und an ein damit verbundenes Gefühl der Hoffnung erinnern und sagen: Fürchtet euch nicht!

Was hier vergessen wurde
Ein Geburtstagsgeschenk: Eine dicke Feier in Mailand – 100 Jahre „Pazza“ (das verrückte) Inter – und mir ging die Kohle aus für die Jumbo-Packung Pralinen für Inter-Boss Moratti und Cheftrainer Mancini. Stattdessen dürfen sie sich nun was Nettes bei Amazon auf meine Kosten aussuchen. Knausereien sind bei Inter einfach fehl am Platze. ... Huch! Grad hat mir Mancini, der schöne Roberto genannt, geschrieben. Er wünscht sich das neue, blau-schwarze Auswärtstrikot des VfL Wolfsburg. Alles klar.

Die Bekämpfung von Ressentiments: Liebe deutsche Fußballfans, was ist denn nur so schlimm daran, dass die Italiener so toll Fußball spielen können und so fantastische Clubs haben? Immer noch nicht über das verlorene Halbfinale der WM 2006 hinweg? Aber bitte, dann einfach mal wider schnell einen Kurs in Vergangenheitsbewältigung belegen. Wäre Italien ein zentral-afrikanisches Land, dann wärt ihr alle Rassisten und man müsste sich um die freiheitlich-demokratische Grundordnung der Bundesrepublik sorgen.

Humor: Alle gute Christen machen sich Sorgen um die Seele von Herrn Calderon, die mit großer Wahrscheinlichkeit irgendwann einmal in der Hölle schmoren wird. Denn Calderon ist schrecklicherweise nicht nur Präsident von Real Madrid, er hat zudem überhaupt keinen Humor und entließ acht Mitarbeiter des Vereins (Nun könnt ihr endlich was Vernünftiges machen!), die er für schuldig befand, auf einen italienischen Schauspieler, der sich als Nicolas Cage ausgab, hereingefallen zu sein. Calderon lud den Mann, der nicht sonderlich viel Ähnlichkeit mit Nicolas Cage hat, zum Spiel in seine Loge ein, schenkte ihm ein Trikot und eine Mitgliedskarte. Leider kann man sich mit Plastik nicht so gut den Arsch abwischen und so ein Trikot verstopft nur allzu oft das Klo. Am besten die Sachen schnell irgendwo verbuddeln.