Dienstag, 27. Mai 2008

Der Südligenbericht von Catherine Zeta-Bohlen

Ausm Loch:
Leute wie ich, und andere schlecht gelaunte Miesepeter, haben es ja längst gewusst und benannt: Es wird alles immer mieser und widerwärtiger. Und der europäische Fußball in dieser Saison unterstreicht noch mal diese These. Da kann ich mich ja fast glücklich schätzen, dass ich eine Apokalyptikerin der ersten Stunde bin.
Der Fußball nahm mir noch den letzten Rest an Vertrauen in eine lebens- und liebenswürdige Zukunft. Nun habe ich den Beton für einen Bunker geordert, den ich hinterm Haus anlegen werde, habe große Mengen an Konserven, Kerzen und ein Gewehr mit ausreichend Munition gekauft (und werde höchstens rauskommen, falls Union doch in die Zweite aufsteigt). Wer die Zeichen richtig deuten kann, muss seinen Teil dann auch zu tun wissen.

Bei der Pressekonferenz nach dem letzten Heimspiel unter Rijkaard (2:3-Niederlage gegen Mallorca) gab es zum Schluss stehende Ovationen seitens der Medienvertreter. Irgendwie mochten sie den großen wortkargen Onkel aus Amsterdam doch sehr. Es war u.a. sein Verdienst, den Verein aus den tiefen Tälern einer großen Depression geholt zu haben. Innerhalb von 24 Monaten holte die Mannschaft fünf Titel und galt als die beste und aufregendste des Kontinents. Nun ist Pep Guardiola sein Nachfolger, der ehemalige Kapitän des Dream Teams der 90er Jahre unter Cruyff und bisher Trainer der B-Elf. Mal sehen, ob nicht auch einiges im Präsidium erneuert werden muss. Eine Gruppe von Vereinsmitgliedern hat zur nächsten Vollversammlung ein Misstrauensvotum gegen Präsident Laporta (aka der JFK des europäischen Vereinsfußballs) geplant. In der FAZ schrieb Paul Ingendaay übrigens einen sehr schönen Abschiedsartikel auf den Ex-Barca-Trainer: „Frank Rijkaard geht wie ein verdienstreicher Ritter. (...) Der Ritter geht, und er tut es mit Stil, ohne Klage oder Vorwurf. Am späten Mittwochabend, nach dem demütigenden 1:4 gegen Real Madrid, sprach Barcelonas Trainer Frank Rijkaard leise und wie unter Schock. Für Momente erwartete man, Tränen rinnen zu sehen. Dann stand der 1,90 Meter große Mann auf und verließ den Tisch.“ Mach’s jut, Frankie! Kannst jetzt in Ruhe rauchen ... Außer: Er sollte tatsächlich Chelseas neuer Coach werden, nach dem Rauswurf Avram Grants, wie immer öfter kolportiert wird. Allerdings soll Didier Deschamps ebenfalls im Rennen sein. Und der ist ja bekanntermaßen so hohl, dass selbst sehr reiche Russen auf den reinfallen könnten. Zur Not kommt halt Mourinho zu Chelsea zurück. Aber nee, der scheint ja schon bei Inter gebucht. Doch alles der Reihe nach!

Massimo Moratti, Inter-Präsident: „Ganz Italien war gegen uns, deshalb sind wir noch stolzer auf den Sieg.“ Inter ist Meister! Und das nach einem der spannendsten Saisonfinals seit Jahren in good old Italy. Bis zur 60. Spielminute des letzten Spieltages sah es noch so aus, als würde die Roma (führte 1:0 bei Catania) Inter doch noch abfangen können. Bis Inter-Coach Mancini, ohne auf seine schönen Haare zu achten bei Parma im Regen stehend, den lange verletzten Zlatan Ibrahimovic einwechselte, und der traf zweimal. Der AS Rom kassierte sogar noch den Ausgleich. Catania rettete sich vor dem Abstieg, Parma nicht und Inter wurde Meister. Allerdings wirkte ja Trainer Mancini (der mit den tollen Haaren) schon nach dem sehr bescheuerten Ausscheiden aus der Champions League im Achtelfinale gegen Liverpool recht amtsmüde und erklärte auch kurz mal eben seinen Rücktritt, was er aber fix widerrief. Mittlerweile, nach dem verlorenen Coppa-Finale gegen den AS Rom, wurde er von Boss Moratti doch auf die Straße gesetzt. Und nach den portugiesischen Blättern „Público“ und „A Bola“ soll Mourinho das „verrückte Inter“ übernehmen. Neun Millionen Euros soll sein Gehalt betragen, dabei hat er doch grade erst von Abramowitsch einen Ferrari geschenkt bekommen. Außerdem sollen dem Portugiesen als Wunschspieler Lampard und Deco zu Inter folgen. Falls Moratti nicht wieder alles widerrufen sollte usw.

Ansonsten: Milan hat es doch nicht mehr auf den vierten Platz geschafft, Florenz darf dafür in der Quali zur Champions League ran. Real will sich wieder eine ordentliche Zirkustruppe zusammenbauen und bietet deshalb für den Clown von ManU, Cristiano Ronaldo, 90 Mio und das höchste je gezahlte Gehalt. Messi spielt bei Olympia, der Arme, Kakà nicht, der Glückliche. Der kann dann vielleicht für die Zeit Messis Playstation übernehmen oder ein wenig seine Bibelfestigkeit ausbauen. Das kann ja durchaus gegen Unrechtsregimes helfen.