Montag, 28. Juli 2008

Der Südligenbericht von Catherine Zeta-Bohlen

Schlimm, schlimm, schlimm

Die UEFA, eine verbrecherische Organisation? – War auf jeden Fall eine schlimme Zeit, in der ich mir eigentlich bloß vom Familienfußball der diesjährigen EM berieseln lassen und natürlich diverse Missstände im europäischen Fußball aufdecken wollte. Doch dann war ich weg, von Platinis Schergen festgehalten, da ich dabei war, die gesamte schmierige EM-Verschwörung aufzudecken und die Rechte an der Story bereits an die Jungle World, die Deutsche Stimme und den Weser-Ems-Kurier vertickt hatte, exklusiv, versteht sich. In diesem Moment holten sie mich aus meiner Wahrheitskommandozentrale und machten mir einen doppelten Strich durch die Rechnung: Sie hinderten mich an der Veröffentlichung meiner Erkenntnisse und ließen den schon feststehenden Europameister (Shermany) dann doch noch scheitern, nämlich im Finale (wenn ich mich recht erinnere), und entschieden sich für den auch von mir favorisierten Kurzpassfußball der früher so zerstrittenen Iberer, natürlich dank diverser Barca-Akteure, logo.

Wo wir auch gleich beim Thema wären, nämlich dem katalanischen Heldenclub, bei dem es zugeht wie in einem Garfield-Streifen (Motto: „Ein Kater macht Theater“). Nach Rijkaards Rauswurf und Guardiolas Installation als neuer Trainer sollte die Mannschaft erst mal ordentlich gesäubert werden (bisher wurden verkauft: Giovanni dos Santos, Zambrotta, Oleguer, Ronaldinho, Deco; Edmilson und Ezquerro durften umsonst gehen). Zwischendurch musste Club-Präsident Laporta (aka der JFK des europäischen Clubfußballs) knapp ein Misstrauensvotum der Mitglieder überstehen – trotz wirtschaftlicher Konsolidierung ging doch einiges schief (über die Nutzung des Trikots zu humanitären Werbezwecken – Unicef – bin ich immer noch nicht hinweg).
Es ist doch wie fast jedes Jahr vor dem Beginn der Saison und während der heißen Transferphase – man kann fast nur noch in Interjektionen reden: Oh nö! Real will unbedingt (auch gegen Schusters Willen) Christiano Ronaldo kaufen und nun auch noch Raphael van der Vaart: Oh nö! Barca will den hellsten Stern am Stürmerhimmel, Samuel Eto’o, abgeben und den Vorruheständler Thierry Henry behalten: Oh nö! Englische Clubs investieren für jeden Spieler, der nicht von der Insel kommt, zweistellige Millionenbeträge: Oh nö! Sweet-sweet Arschawin durfte nicht von Petersburg zu Barca wechseln (wär ’ne prima Flügelzange mit Messi geworden ...): Oh nö! Und Mario Gomez wird früha oda späta wohl doch bei den Bayern landen: Oh nö! – Auch wenn vor allem der Mercato in Italien bisher recht bedächtig daherkommt, werden sicher noch einige Deals über die Bühne gehen: Kakà und Robinho zu Chelsea? Frank Lampard doch noch zu Inter? Vielleicht sogar Poldi oder Klosi zum AS Rom?

Im UI-Cup is da Teufel los! – Dieser Wettbewerb (wer’s vergessen haben sollte: Qualifikation für den UEFA-Cup) treibt nicht nur unsere Hertha zu Höchstleistungen (8:1 gegen Dingsdabums aus Moldawien, oder so), sondern auch die Fans, selbst die sogenannten. Das UI-Cup-Spiel Honved Budapest gegen Sturm Graz, welches die österreichischen Kicker mitg 2:1 gewannen, wurde durch Ausschreitungen seitens der Ösi-Fans und durch besondere Brutalität seitens der Polizei überschattet – wo Licht, da auch regelmäßig eine Menge Schatten, ja sogar der Überschatten (wer kennt ihn nicht?). Als Sturm Graz recht früh mit 0:1 hinten lag, warfen deren Anhänger Feuerwerkskörper auf den Rasen. Die Polizei und die Ordner versuchten zu schlichten und wurden in Schlägereien verwickelt, bei denen angeblich von beiden Seiten die aus der Verankerung gerissenen Plastiksitze genutzt wurden. Die Sicherheitskräfte sollen sogar Socken eingesetzt haben, die mit Billardkugel gefüllt waren – Zyniker mögen nun sagen: „Sportlich, sportlich“, aber das Resultat waren eine Menge arg blutender Fans, darunter auch Frauen. Schon vor der Partie hatte es in der Budapester Innenstadt Ausschreitungen gegeben. Der UI-Cup scheint die fortschreitende Entmenschlichung innerhalb Europas massiv zu befeuern.