Dienstag, 30. September 2008

Der Südligenbericht von Catherine Zeta-Bohlen

Time of the Lokalderbys – Frieden und den Menschen ein Wohlgefallen

Der Südligenbericht und die Crew von tribuenenbrand.de hatten ja schon vor Beginn der aktuellen Saison der Serie A die Vermutung, dass es in good old Italy recht spannend werden kann. Vielleicht mag das mit dem miesen Start (Milan, Juve, AS Rom) einiger Spitzenclubs zusammenhängen oder auch mit den Nachwehen der jüngsten Krisen des italienischen Profifußballs (Gewalt, Korruptions- bzw. Bestechungsskandal – der sogenannte Moggiopoli). Sicher hat es aber auch mit José Mourinho zu tun. „The special one“ nahm zur neuen Saison auf der Trainerbank von „pazza Inter“ (verrücktes Inter) platz, das nach über vierzig Jahren endlich mal wieder einen Erfolg in der Champions League landen will. Und eine der wichtigsten Aufgaben Mourinhos ist es seit jeher, den Druck der Öffentlichkeit von der Mannschaft auf sich zu nehmen und damit Inter zum zweiten großen, polarisierenden Club Italiens neben Juve zu machen, in gewisser Weise die Arroganz des Establishments. So ließ er zum Beispiel nach dem Heimspiel gegen Lecce (Inter gewann 1:0) verlautbaren – und das in einem fast perfekten Italienisch –, die Gäste hätten die Partie mit drei Torhütern und acht Abwehrspielern bestritten. Und da Polemik ja doch meist einen Sinn hat, traf diese Aussage durchaus das Problem des „zynischen Fußballs“ einiger Clubs in Italien, romantisierend catenaccio genannt – auch wenn zur Zeit die ersten drei Plätze der Tabelle eher durch flott aufspielende Teams belegt werden (Lazio, Neapel, Udine). Einige der moderneren Trainer (Milans „Kater Carlo“ Ancelotti, Florenz’ Prandelli und Romas Spalletti) zeigten sich daher auch durchaus erfreut über den möglichen frischen Wind des José Mourinhos. Zitat: „Ich dachte, hier gäbe es mehr Leidenschaft für den Calcio, doch mir scheint, die Italiener sind eher verliebt in TV-Shows, nicht in das Wesentliche – die 90 Minuten auf dem Platz.“
Im Mailänder Stadtderby nun wurde Inters Bilanz etwas versaut, die erste Niederlage der Saison war die Folge, dazu noch Balsam für die geschundene Milan-Seele. Übrigens stand der bisher äußerst blasse Ronaldinho (bei seiner Ankunft aus Barcelona noch von 40.000 Tifosi gefeiert) überraschenderweise in der Startformation und erzielte auch prompt den 1:0-Siegtreffer für die Rossoneri, nach Pass seines Landsmanns Kakà, der kürzlich zusammen mit dem Papst beten durfte. Und übrigens brachte sich Inter mal wieder durch übertrieben Härte und einem Platzverweis um ein besseres Ergebnis – ein Problem, das bisher fast alle von Mourinho gecoachten Mannschaften auszeichnete. Aber Gewalt entspringt hier wohl eher aus einem extremen Arbeitsethos denn aus Zynismus, oder? Egal: José ist und bleibt ein prima Kerl. Sir Alex Ferguson vermisst bereits schmerzlich auf der Insel (nicht Sylt, sondern die große bei Irland).

Um Gewalt ging’s auch in Barcelona. Nachdem das Sevilla-Stadtderby recht langweilig (0:0) und friedlich verlaufen war, kam es nun in der katalanischen Metropole etwas dicker: Espanyol empfing Barca zum letzten Derby im Olympiastadion (ab 2009 wird der Stadtrivale wieder ein eigenes (Fußball)Stadion bespielen dürfen). Zuerst ging alles seinen Lauf. Barca war drückend überlegen, kassierte aber in der ersten Halbzeit einen Gegentreffer, bei dem Keeper Valdes allerdings zuvor gefoult wurde. Dann verweigerte Schiri Medina Cantalejo Barca auch noch einen klaren Elfer. So ging’s in die Kabinen. Pep Guardiola brachte mit Eto’o und Bojan frische Sturmware. Allerdings verlegten einige der Barca-Fans die dritte Halbzeit einfach in die zweite, so dass Cantalejo sich gezwungen sah, sogar das Spiel für etwa zehn Minuten zu unterbrechen. Die Ausschreitungen auf den Rängen sollen vor allem von den Boixos Nois, der sonst so sympathischen Barca-Ultra-Gruppe, angezettelt worden sein. Teile von ihnen haben seit der Saison 2003/04, seit Präsident Laporta herrscht, im heimischen Stadion Eintrittsverbot und verlegen sich daher vor allem auf Auswärtsspiele – scheinbar auch keine Lösung. Zumindest nutzen die Barca-Spieler die Unterbrechung für eine erneute Motivation und so erzielte Henry in der 80. Minute den Ausgleich und Messi verwandelte in der Nachspielzeit noch einen Elfmeter, der, nicht ganz eindeutig, von Pareja an Eto’o verursacht wurde. – Derweil soll es für ein Barca ein juristisches Nachspiel wegen „unsportlichen Verhaltens“ geben. Angeblich haben die Barca-Spieler (nementlich Messi, Eto’o und Henry) den Siegtreffer bewusst vor der Kurve der Bioxos Nois gefeiert. Espanyol will klagen.
Übrigens ist man in Teilen Italiens, trotz neuer Hiobsbotschaften über Ultra-Gewalt, da schon weiter, die „dritte Halbzeit“ betreffend. Beim AC Florenz hat Trainer Prandelli eine ganz eigene „dritte Halbzeit“ eingeführt. Nach Spielende müssen sich seine Spieler auf dem Platz vom gegnerischen Team sichtbar und möglichst freundlich per Handschlag verabschieden. Das soll ein wenig auf die Ränge abfärben. Eine neue semantische Belegung des Begriffs „dritte Halbzeit“. Schon sagt Konfuzius: „Zuerst verwirren sich die Worte, dann verwirren sich die Begriffe, und schließlich verwirren sich die Sachen.“ Und vielleicht ist genau das Prandellis Plan.

Sonntag, 7. September 2008

Der Südligenbericht von Catherine Zeta-Bohlen

„Tututut, die Eisenbahn, wer darf mit zu Auswärtsspielen fahr’n?“

Bei unseren italienischen Freunden ist die Kacke mal wieder mächtig am Dampfen, der Ligastart von Gewalttätigkeiten und entsprechenden Sanktionen überschattet.
Wenn man gemein sein will, könnte man Italien als ein Operettenland mit dazugehörigen Operettenmenschen bezeichnen. Wenn man jedoch ein wenig fairer ist, und das möchten wir ja hier sein, dann müsste man Italien eher als ein Opernland bezeichnen. Und wir alle wissen: Die Oper ist für viele die höchste aller Kunstformen, da geht’s entsprechend hoch her und öfter auch mal gewalttätig zur Sache.
Und so geschah es am ersten Spieltag der Serie A, dass Ultras des SSC Neapel, die zum Auswärtsspiel nach Rom (gegen die Roma) wollten, einen Bahnhof ihrer Heimatstadt zerlegt haben. Danach kaperten sie ohne entsprechende gültige Fahrausweise einen Zug – mit dem ging es dann gen Rom – und zwangen die anderen Fahrgäste zum Ausstieg. Auf der Fahrt wurde natürlich auch der Zug in Mitleidenschaft gezogen. Bereits festgenommene Fans wurden auf Veranlassung des neapolitanischen Polizeichefs, Antonio Puglisi, wieder freigelassen, ganz im Sinne der guten alten Deeskalationsstrategie. Nun droht Puglisi die Entlassung.
Auch wenn beteuert wurde, man wolle die Vereine nicht bestrafen, griffen Politik und die Fußballbonzen hart durch: Am 14. September findet die Partie zwischen Neapel und Florenz im San Paolo ohne Zuschauer statt. Die ebenfalls nicht artig gewesenen Tifosi des AC Milan dürfen nicht zum Spiel gegen den FC Genua anreisen. Und für die Anhänger des SSC Neapel wurde gar für die gesamte Saison ein Reiseverbot zu Auswärtsspielen verhängt. Bürgerrechte ick hör‘ dir trapsen!
Nach Erkenntnissen der Polizei soll hinter den Krawallen in Neapel die neapolitanische Mafia stecken, was für die unterkühlte Logik einer Mitteleuropäerin (meine) schwer nachzuvollziehen ist. Bisher hieß es doch immer, die Mafia wolle vor allem in Ruhe Geld verdienen und brauche solche Demonstrationen von Stärke gegenüber dem Staat nicht. Vielleicht wollen da auch nur ein paar Leute von den Problemen im und um den Fußball in Italien ablenken und hoffen, dass wir Ahnungslosen auf solche Verschwörungstheorien reinfallen. Hm, mal sehen … Ja, hat geklappt!
Ministerpräsident good old Silvio Berlusconi hat bereits die Null-Toleranz gegenüber gewalttätige Ultras ausgerufen und lässt sich dabei vom Land mit den Fußballern mit den eckigen Füßen inspirieren: „Ich bin sicher, dass auch in Italien die Anti-Hooligan-Maßnahmen der Briten positive Resultate zeigen werden.“ Mit der Konsequenz, dass die Tifosi kräftig an der Pasta und anderen Schleckereien sparen müssen, denn demnächst könnte ein Fußball-Ticket plötzlich schlanke 120 Euros kosten, was selbst für eine Südliga-Krawalltouristin wie mich bedrohlich wäre.

Was vom Saisonauftakt übrig blieb, oder: Schpanien, wie es singt und lacht.
Ja, ja, die gute alte Auswärtsschwäche beschert Barca (schnüff!) als auch Real MadRIP (he, he!) eine Auftaktpleite in der Liga. Atletico Madrid ist durch einen 4:0-Erfolg Meister des ersten Spieltags und nach dem Spiel gegen Schalke überhaupt und irgendwie mit einer Menge Sympathien ausgestattet.

Noch eine Meldung, die nachdenklich stimmt: „Bukarest (dpa) - Mehr als Tausend Fans des rumänischen A-Liga-Fußballvereins Poli Stiinta Timisoara haben sich Straßenschlachten mit der Polizei geliefert. Die Randalierer waren in der westrumänischen Stadt auf die Straße gegangen, nachdem der rumänische Fußballverband FRF einen Punkteabzug für den Temeswarer Verein bekanntgegeben hatte. Die Polizei setzte Tränengas ein und nahm mehrere Randalierer fest, berichtete der Fernsehsender Realitatea TV. Der FRF hatte mit dem Punkteabzug (6 Punkte in der Meisterschaft 2008/2009) auf eine entsprechende Entscheidung der des internationalen Fußballverbands FIFA reagiert. Dem FC Timisoara wird vorgeworfen, unrechtmäßig die Klubfarben (Violett) des Traditionsvereins Politechnica Timisoara zu verwenden. Der Besitzer des FC Timisoara, der Geschäftsmann Marian Iancu, hatte angekündigt, er wolle die Mannschaft aus der Meisterschaft zurückziehen.“ – Falls das Schule macht, könnte zum Beispiel auch dem BFC ein Punktabzug drohen, wenn sich der Wein beschweren sollte, unrechtmäßig im Weinrot der Trikots des Clubs aufzutauchen. – Die Dinge geraten scheinbar außer Kontrolle, sagte mein Anwalt.