Donnerstag, 30. Oktober 2008

Der Südligenbericht von Catherine Zeta-Bohlen

Noch mal ’ne Runde Becks für good old Europe

Eine Butze soll er angeblich schon haben. Milan-Methusalem, Dauer-Schönheitsideal und „Kraft durch Olivenöl“-Mann, Paolo Maldini, half ihm beim Finden – innerstädtisches Viertel, in einer Straße, in der urbane Trends zu bestaunen sind, die nicht jeder so doll findet: Prostitution, Drogenhandel und Nightlife. Die Frau Gemahlin ist natürlich nicht sonderlich erfreut. Aber die würde ja sowieso viel eher im lieblichen L.A. bleiben, was sie nach Medienberichten (Wer sind eigentliche diese „Medienberichte“? Oder sind es jene?) auch prompt tut. Das heißt also: In der Edel-Junggesellen-Behausung wird es vermutlich ordentlich hoch hergehen. Milano ist bereit sich vom berühmtesten Metrosexuellen der Welt erobern zu lassen. – Beckham, Europa hat dich wieder, so wie es dich kennt! „Ich habe Milan kontaktiert, weil es nach meinen Stationen Manchester United und Real Madrid der einzige Verein war, der mir gefiel.“ Ein ziemlich gemeiner Seitenhieb gegen Union, den BFC und die ganzen anderen phantastischen Vereine, die in Europa ihre Existenz fristen – fürs nächste halbe Jahr auf jeden Fall ohne den Flanken- und Freistoßgott vergangener Tage.
Der „kicker“ packte, diese ganze Sache betreffend, eine recht plausible Verschwörungstheorie aus: Der gute David würde gern auch weiterhin für sein Land, England, spielen. Dessen Nationalcoach, Fabio Capello, will ihn aber nur berufen, wenn er in seinem Verein auch spielt. Sportlich lief es ja in letzter Zeit bei seinem Verein, Los Angeles Galaxy, nicht so rund. Und Milan wollte ihn schon zu Beginn der Saison aus der Neuen Welt holen. Somit kann sich Becks berechtigte Hoffnungen machen: Ein Ex-Milanisti (Capello, immer schwer gefördert von Cavaliere Berlusconi) wird einem Mitglied der „Milan-Familie“ (Beckham) höchstwahrscheinlich nicht abschlagen, auch weiterhin bei WM-Quali und gar in Südafrika mit seinen Nationalmannschaftskollegen über den Platz und dem Ball hinterher zu rumpeln. Bei Milan wird Becks für alle Wettbewerbe – UEFA-Cup, Pokal und Liga – eingeplant.
Andererseits muss man auch sagen: In Kalifornien würde sich die englische Ausgabe Jörg Böhmes (beides Ecken- und Freistoßtreter) nur langweilen. Da die Galaxy die Play-offs verpasste, ist die Saison eh vorbei. Darum auch nur eine Ausleihe. Beckham wird sich wohl fit halten und sicher auch mal gegen Ende einer Partie eingewechselt werden, und natürlich mit Ronaldinho viel Pepsi trinken. Und Milan wird einen ganzen Arsch voll Trikots verkaufen, bzw. die Fälscher Milan-Trikots mit Becks hinten drauf. Aber darum geht es natürlich gar nicht, bestätigt uns Milan-Geschäftsführer Adriano Galliani: „Milan ist kein Verein der Panini-Bilder sammelt. Die Leute kommen ins Stadion, um die Mannschaft zu sehen, nicht besondere Spieler. Zuletzt kamen 65000 gegen Sampdoria – also ist Milan ein Gesamtprodukt, das den Fans gefällt. Beckham wird ein parr mehr ins Stadion bringen, sicher nicht weniger.“ Oha, die feine Klinge der Dialektik, oder Panini-Bildchen sind in Milano was anderes als in Berlino und Hamburgo. Wahrscheinlich irgendwas Neues aus den erweiterten Erkenntnissen der PR, was wir noch nicht kennen.
Jedoch, eins bleibt so, wie es ist: The Special One gibt’s beim Rivalen zu bewundern. Inter hat mit Mourinho einfach die dickeren Eier. Quasi.

Was nicht fehlt (diese Rubrik hab ich von der „taz“ geklaut – ohne zu fragen): Der schnellste (offizielle) Hattrick in der Vereinsgeschichte Barcas. Letzten Sonnabend erzielte Samuel Eto’o innerhalb von 19 Minuten drei Treffer beim 5:0 gegen UD Almeria. Geschwindigkeitsforscher Paul Virilio hat sich seine wissenschaftliche Freude daran.

Freitag, 10. Oktober 2008

Der Südligenbericht von Catherine Zeta-Bohlen

Beim Zusammenhang zwischen Nobel-Prize und Fußball scheint es noch offene Fragen zu geben

Vor kurzem: Also da gewinnt Barca gegen Atletico Madrid so unglaublich rasant, dass ich fast beim Mitzählen der Tore durcheinander kam, weil ich mich grad aufs Zählen der Kurzpässe konzentrierte, da wurde mir klar: Also, wenn’s so läuft, dann kriegt dieses Jahr Cormac McCarthy den Nobel-Prize für Literatur, muss so sein, allein auf Grund des Messi-Tores, als er denn Ball bei einem Freistoß einfach aufs Tor zwirbelte, während Atleticos Neu-Keeper Coupet noch seine Mauer ordnete aber der Ball schon vom Schiri freigegeben war – McCarthy, keine Frage. Man muss die Zeichen zu deuten wissen. (Da ja außerdem am gleichen Wochenende Ibrahimovic dieses sensationelle Tor mit der Hacke erzielte, nicht wahr.) Allein weil dieser Herr Professor Dingsbums von dieser schwedischen Akademie, die die Nobelpreise vergibt, so finster antiamerikanisch vom Leder gezogen hatte … allein schon deswegen. Aber dann brach sich Robert Enke im Training die Hand, bzw. einen Knochen da drin, und ich dachte (genau, jeder kommt da drauf … Enke war ja mal bei Barca Torhüter, versteht ihr, verstehen Sie?), nee, dann doch wer anders. Schade, schade, aber wenigstens wird’s dann wohl der Javier Marías machen, das Rennen um den Nobel-Prize. Doch dann fiel mir ein: Javier Marías, Spanier, Spanien, EM-Titel – da wurde dieses Jahr schon genug gewonnen … Hat also alles nicht so hingehauen und nun müssen wir alle mehr (noch mehr) lesen, um die Zeichen der Zeit nie wieder falsch zu deuten.