Samstag, 15. November 2008

Der Südligenbericht von Catherine Zeta-Bohlen

Obama, La Destra und immer noch eine verdammt finstere Welt

Nu is es also raus: Nach Becks kommt auch noch Barack Obama zu Milan, die Presse und wir und alle anderen tirilieren! Aber nee, machen wir mal halblang (was ungefähr halbkurz entspricht).
Als ich mich kürzlich wieder in Rom aufhielt – natürlich so ungünstig, dass ich nicht mal ein Spiel im Olimpico sehen konnte –, machte die Präsenz Barack Obamas auf italienischen Qualitätshochglanzboulevardmagazinen den Eindruck, dass nun auch dieser Star den amerikanischen Kontinent verlassen und nach good old Italy abflattern wird. Dabei hatte dieser Obama doch gerade nur die Wahl in USA gewonnen – ach so! Daher gibt es allerorten große Spannung: Mal sehen, was Becks bei Milan und Obama bei USA für Wunderdinge vollbringt. Skepsis ist natürlich verboten! Logo. (Übrigens wirbt die italienische Linke auf Wahlkampfplakaten mit Obama. „Il mondo cambio“ – die Welt ändert sich, stand auf den Postern, dazu ein Foto von Obama, das war’s. Die Rechte, „la destra“, kam wesentlich textlastiger daher. Aber wenigstens hatten die eine Fackel auf ihren Plakaten. Auch nicht schlecht.)
Wunderdinge vollbringt grad mehr oder weniger der aus Brasilien stammende Partyking Ronaldinho bei Milan (ja, das ist der Club, zu dem Becks für ein paar Monate gehen wird!). Nach den vielen Egotrips und schwachen Vorstellungen in der letzten Saison bei Barca wird vor allem die softe Hand von Trainer Carlo Ancelotti (den Lesern und Leserinnen des Südligenberichts auch als Kater Carlo bekannt) als Grund für diesen Aufwärtstrend gesehen. Jüngst ließ dieser freundliche Nachsicht nach einem Discobesuch seines Schützlings walten – soll auch sein erster in Milano gewesen sein. Ronaldinho selbst erklärt seine Wiederauferstehung, an die wir natürlich alle fest geglaubt haben, damit, dass ihm in der letzten Saison (da war ja Frank Rijkaard auch recht nachsichtig) einfach der „Hunger“ fehlte, da er mit Barca alles gewonnen habe. Was aber dann doch nicht ganz stimmt – den spanischen Pokal, die Copa del Rey, gewann er während seiner Zeit bei Barca nicht. Die wird übrigens Real MadRIP in diesem Jahr mal wieder nicht holen können. Man flog gepflegt gegen einen Drittligisten raus. Das Hinspiel in der Fremde verlor man mit 2:3 und im Rückspiel reichte dann der 4:3-Sieg auf Grund der Auswärtstorregelung nicht. Bei diesem Sieg durfte Christoph „Metze“ Metzelder endlich mal wieder von Beginn an in der Abwehr glänzen und nun steht der blonde Engel angeblich kurz vor dem Rauswurf bei den Madrilenen (zu den Spekulationen um seinen angeblichen Nachfolger wird sich hier natürlich nicht beteiligt), unter anderem deswegen, weil er irgendwann aufgehört hat in dieser Saison die kassierten Gegentreffer zu zählen. Nun könnte man natürlich kräftig unken – wird aber nicht gemacht. Bei den Sternstunden der Menschheit soll man bekanntermaßen schweigen. – Freuen kann man sich dagegen mit Samuel Eto’o vom FC Barcelona, dem im letzten Liga-Heimspiel gegen Valldolid vier Treffer in einer Halbzeit gelangen, wogegen es meines Wissens aber ein Gesetz gibt, oder sicher geben muss. Aber in einer Welt, in der Barack Obama zum Präsidenten von die USA gewählt wird, kann ein Mann auch in 45 Minuten vier Tore schießen dürfen. Oder etwa nicht, ihr reaktionären Schweine?