Donnerstag, 26. Februar 2009

Presseschau: Nur das Wichtigste

Ja, manchmal sitzen wir versonnen in unseren Schaukelstühlen auf der Veranda und erinnern uns ... als das "11 Freunde"-Mag zum ersten Mal erschien bzw. auf sich aufmerksam machte. Ja, da sprangen die Leute aufgeregt in den WGs und in den Seminarräumen Bielefelds und Heidelbergs und auch Tübingens herum und tuschelten dann: Eine Fußballpublikation fernab vom good old "kicker" und der "BRAVO Sport" und den ganzen Ultra- und Hooligan-Fanzines, mit Tiefgang und abgeschlossenem Hochschulstudium und so ... Und man fragte sich: Kann das gut gehen?
Und so mancher fragt sich das heute noch.
Allerdings: Gerade heute und an dieser Stelle muss gesagt werden: Das kann gut gehen, besonders bei diesen Perlen der Information (in der aktuellen Ausgabe - Print natürlich!). - Da wird Frank Rijkaard, unser aller ehemaliger Lieblingstrainer und Lieblings-Pressekonferenzgeber, gefragt, was er den nach dem Gewinn der Champions League für Musik zu hören empfiehlt. "Morrissey oder The Smiths."
Fein. (Auch wenn wir im Hintergrund deutlich José Mourinho unken hören können, er empfehle ausdrücklich Slayer.)

Freitag, 20. Februar 2009

Aus der Mitte und von den Rändern

Tu dir bitte keine Sorgen machen um den Fußball!

Nachdem der starke Staat endlich wieder kräftig in den von Liberalen verweichlichten Markt eingreift, geht's nun auch noch den reisefreudigen Fußballfans an die Freheit: "Vorübergehendes Aus für Fan-Reisen zum niederländischen Klassiker: Nach heftigen Krawallen dürfen sich die Erzrivalen Ajax Amsterdam und Feyenoord Rotterdam künftig nicht mehr von ihren Anhängern zu Spielen gegeneinander begleiten lassen. Das Fan-Verbot beschlossen die Bürgermeister beider Städte gemeinsam mit dem Königlich Niederländischen Fußball-Verband bei einer Krisensitzung. Es soll fünf Jahre gelten, allerdings nach zwei Jahren überprüft werden. Den Beschluss hatten Amsterdams Bürgermeister Job Cohen und sein Rotterdamer Kollege Ahmed Aboutaleb vor der jüngsten Begegnung der beiden Klubs der niederländischen Ehrendivision am letzten Sonntag in Amsterdam bereits angedroht." (FAZ online) Darum noch mal kurz den Geruch der Freiheit schnuppern:



Natürlich ist es höchst fraglich, ob man die scheinbar ewig wiederkehrenden Ausschreitungen am Rande dieses Klassikers unterbinden können wird. Noch weniger sicher die üblen Beschimpfungen des Rivalen ("Juden ins Gas" usw.), auch wenn die holländischen Schiedsrichter ja mittlerweile die Möglichkeit haben, ein Spiel abzubrechen, sollte es zu menschenverachtenden Sprüchen von den Rängen kommen.
Prügel, Bengalos, verbale Entgleisungen - smells like Tradition!? Doch die will scheinbar nicht so richtig verteidigt werden, selbst im guten alten FAZ-Feuilleton nicht mehr, denn für die ist Hoffenheim the new loud, ein "Labor der Fußballkultur" nämlich.
Besondere Freude bereitet der FAZ, bzw. dem Autor Jochen Hieber, dass es einen "Akademiker-Fanclub" der TSG 1899 Hoffenheim gibt (Klassengesellschaft, ick hör dir trapsen ...). Warum das so wichtig ist, wird nicht ganz klar - immerhin kann man selbst beim BFC durchaus auf Akademiker treffen, gelegentlich von denen sogar mal eine aufs Maul kriegen, wenn's blöd läuft.
Für mich war die größte Leistung Dietmar Hopps bisher, dass er den Ex-Hockeytrainerhelden Bernhard Peters als sportlichen Koordinator installiert hat. Nun scheint er auch noch den Sport in die "Mitte der Gesellschaft" (Jochen Hieber) zu holen, bzw. dort zu installieren. Haben wir davon nicht irgendwie alle ein wenig geträumt?

Dienstag, 17. Februar 2009

Der Südligenbericht von Catherine Zeta-Bohlen

Das Derby und schon wieder das Darwin

Alle, oder zumindest viele, Augen waren am Sonntagabend auf die Stadt gerichtet, die einer Minestrone, die durch viel grünes Gemüse eine entsprechende Farbe hat, ihren Namen gab: Milano. Name der Suppe: Minestrone Milanese, klaro. Name des Spiels, Inter gegen AC (und das zum 270. Mal): „Derby della Madonnina“. Schön. (Kann man sich ungefähr so wie das auch schon sehr alte Derby „Darwin gegen Gott“ vorstellen, auch wenn das hier ein bisschen verkürzt rüberkommen mag.) Was gibt’s dazu zu sagen? 1. Beckham wurde in der 57. Minute für Pippo Inzaghi ausgewechselt. 2. Das 1:0 für die Nerazzurri durch Adriano war irregulär, denn der brasilianische Sturmtank, der trotz der ganzen Disko- und Alk-Eskapaden ziemlich flott aufspielte, brachte den Ball mit dem Arm im Milan-Tor unter. Aber der hat ja so mächtige Arme, da kann man gar nicht immer genau erkennen, ob die nicht vielleicht zu seinem mächtigen Oberkörper dazugehören (was auch vom Alk herrühren könnte, doch wir wollen nicht unken, Depressionen sollen ja der Grund seiner ganzen Verfehlungen gewesen sein, Prost). 3. Inter gewann die Chose knapp mit 2:1 (Stankovic schaffte es nach vergebenen 1000prozentigen Chancen doch noch, den Ball im Tor unterzubringen, und Pato sorgte nach einem Ronaldinho-Zauberpass, der an alte Barca-Zeiten erinnerte, für den Anschluss). Und da Juve nur ein Remis gegen Sampdoria zustande brachte, haben die Schwarzblauen nun neun Punkte Vorsprung auf den schwarz-weißen Rekordmeister und elf auf die rot-schwarzen Milanisti. Merke und beachte: Überall taucht irgendwo Schwarz auf.

Südligenbericht-Ehrenpreis für: di Vaio vom FC Bologna und Diego Milito vom CFC Genua, Nummer eins und zwei der Torschützenliste der Serie A. Bei di Vaio hätten so manche wohl gedacht, dass er überhaupt keine Tore mehr schießen würde nach seiner Tour durch Europa und der stetig absteigenden Form (außer bei irgendwelchen Charity-Spielen in der tiefsten Provinz bzw. in den trostlosesten Ghettos). Und Diego Milito ist immer noch nicht bei einem großen Verein gelandet, würde aber in jeder Liga der Welt locker seine 15 bis 20 Tore pro Saison machen, zuvor für Saragossa, nun wieder in Genua (außerdem sieht er auch noch gut aus, zumindest besser als sein Barca-Bruder).
Südligenbericht-Unehrenpreis: für Raúl, der mit seinem soundsovielten Treffer den ehemaligen Vereinskollegen di Stefano hinter sich ließ, gähn, und keine Achtung vor dem Alter.

Finanzen: ein 70-Millionen-Kredit der Banco Santander für Real, angeblich an einen Wechsel Cristiano Ronaldos geknüpft – da kann man mal sehen, wie hart die Finanzkrise manchen zusetzt. (Eigentlich bitter, wie wenig kreativ die Verantwortlichen bei Real sind, so à la: Hm, sportlich läuft’s auch nur mäßig ... und nun, hört mal, der Masterplan: Ronaldo, Messi oder Kakà holen, geil oder!? – Liebe Banco Santander, wohl noch nichts von der „Galacticos 2.0 verhindern!“-Kampagne gehört, oder wat!?)

Sonntag, 15. Februar 2009

Der Südligenbericht von Catherine Zeta-Bohlen

Wenn das Darwin noch erleben dürfte, Mensch!

Nein, nein, Fußball is not coming home, Charles, sondern: Der Evolutionstheoretiker von heute horcht bei folgender Aussage von Pep Guardiola (Trainer FC Barcelona) über Lionel Messi auf: „Er ist der einzige Fußballer, der mit Ball schneller läuft als ohne.“ Eine Sache, die das französische Publikum am Mittwoch beim Länderspiel Frankreich-Argentinien bestaunen konnte und die in uns die merkwürdigsten Bilder hervorruft. Was hat das denn zu bedeuten? Ein Auto, das ohne Sprit schneller fährt als mit? Dumme, die mehr wissen als Kluge? Frauen, die einen tolleren Penis haben als Männer? Essen ohne Scheißen? Prügel ohne Schmerzen? – Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht. Wir feiern ja nicht nur den 200. Geburtstag Darwins, sondern auch den 20. Todestag des Verhaltensforschers und Graugänsepapis Konrad Lorenz, und der warnte ja immer vor der sogenannten Verhausschweinung des Menschen. Und diese wird, wie es scheint und hier durch Messi bestätigt wurde, immer mal wieder durch plötzliche Mutationen unterbrochen bzw. in vollkommen andere Bahnen gelenkt. Liebe Kreationisten, da müsst ihr euch warm anziehen, auch wenn Barca am Sonnabend bei Betis Sevilla nur 2:2 gespielt hat, mit Messi als Einwechselspieler.
Folgende Einwände sind jetzt sicher angebracht:
1. Warum muss es denn hier schon wieder um Messi gehen und nicht zum Beispiel um Simon Rolfes? Hm.
2. Ey, mal ’ne kurze Frage. Wären hier nicht eigentlich ein paar Links, Darwin, Lorenz, Rolfes usw., angebracht? Nee, nee, die Krise, Leute, den Gürtel enger schnallen, den Informationsfluss auch.

Donnerstag, 5. Februar 2009

Der Südligenbericht von Catherine Zeta-Bohlen

Zorn, Gnade und WSV

Nein, auch wenn es ein durchaus südliches Thema ist, hier soll es nicht um das ganze Gedöns wegen der Aufhebung der Exkommunizierung der Pius-Bruderschaft durch den Papst gehen. (Wie der kritische Leser weiß: Bei Sätzen, die mit „hier soll es nicht um ... gehen“, ist natürlich höchste Vorsicht geboten, weil es meist ja doch darum geht. – Schlimm, wie man immer mit der Nase in den Sumpf der eigenen Verlogenheit gedrückt wird.)
Nein, eigentlich geht es mal wieder darum, wie der Fußball einem paranoides Gehirn ziemlich zu schaffen machen kann. Nämlich: Da wurde Anfang der Woche Atletico Madrid-Trainer Aguirre nach acht Spielen in Folge ohne Sieg entlassen. Und klar, Aguirre, den kennen wir doch noch von unserem Lieblingsautorenfilmer Werner Herzog, „Aguirre, der Zorn Gottes“, mit Klaus Kinski auf der Hauptdarstellerbank. Und andererseits war es doch eine ziemliche Gnade für den Mexikaner Aguirre, dass er es überhaupt zweieinhalb Jahre auf der Trainerbank bei Atletico ausgehalten hat. Und wer die Zeichen zu deuten versteht, der wird sicher auch nicht vergessen haben, dass vor nicht langer Zeit Deutschlands Philosophie-Titan, Peter Sloterdijk, ein Buch mit dem Titel „Zorn und Zeit“ herausgebracht hat.
Aber zurück zu Atletico, das Dauer-Sorgenkind. Eigentlich hätte man gedacht, dass es nun nach dem Ende der Präsidentschaft Jésus Gil y Gils, übrigens mein Lieblings-Nepotist im Fußball, etwas ruhiger und geradliniger im Verein zugehen möge. Immerhin haben die Rot-Weiß-Blauen doch einen recht flotten Kader (Kun Aguero, Forlan, Maxi Rodriguez, Maniche, Ujfalusi, Simao) und starteten auch gut in die Saison, der Knackpunkt war vermutlich das 1:6 bei Barca. Bis zum Saisonende wird vorerst Abel Resino den Cheftrainerposten übernehmen. Der gute Mann war bis vor Kurzem noch Trainer des Zweitligisten CD Castellon und 1986-95 Torhüter bei Atletico. Seine 1275 Minuten ohne Gegentor sind noch immer Rekord in der Primera Division, und, auch wenn es die Spanier vielleicht nicht so interessiert, Torhüter der Nationalmannschaft war er auch eine Zeit lang.
Die weißen Schweine, Atleticos Stadtrivalen von Real, waren kurz vor Ultimo noch mal auf dem Transfermarkt aktiv, Julien Faubert von West Ham darf sich im Mittelfeld für Real die Füße schmutzig und die Seele unrein machen lassen. Zur Vorstellung des neuen Spielers kamen immerhin 53 Leute (vielleicht waren es auch nur 52). Allerdings ist Faubert nur als Leihgabe für die Madrilenen tätig. Und man wird den Verdacht nicht los, dass da einfach nur auf Grund des Champions-League-Achtelfinales gegen Liverpool mit einem Inselerfahrenen aufgerüstet wurde. Und mal ehrlich: Wer das FA-Cup-Spiel Liverpools gegen Everton gesehen hat, der dürfte einen möglichen Sieg Reals nicht mehr nur als völlig wahnsinnige Utopie abtun. Leider.
Ansonsten hielt sich der Süden jedoch mit Wintertransfers zurück, Diarra und Huntelaar kamen ja schon Ende letzten Jahres für Unsummen zu Real. Hektisch ging es nur ein wenig in England zu. Und, Obacht, in Deutschland! Was da um den 31. Januar noch alles durch den News-Ticker in Sachen Wechsel und Neuverpflichtungen lief, ließ den Verdacht aufkommen, dass die Tugend des Winterschlussverkaufs in good old Germoney unausrottbar ist. Da wurde an den Wühltischen der Spielerberater ordentlich zugelangt.

In memoriam Jésus Gil y Gil (1933-2004): Die zehn Jahre währende Amtszeit als Bürgermeister von Marbella brachten dem netten dicken Herrn nicht nur eine Menge Geld ein, sondern auch eine Woche U-Haft. Von der sauer verdienten Kohle kaufte er sich beispielsweise einen ausrangierten Flugzeugträger. Seine sterblichen Überreste wurden mit einer Atletico-Fahne umwickelt und bestattet. „We’ll meet again. Some sunny day.“ (Johnny Cash, Original: Parker/Charles)