Donnerstag, 26. März 2009

Der Südligenbericht von Catherine Zeta-Bohlen

„Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen.“

Im einzigen Teil einer deutschen Zeitung – den man noch lesen kann, ohne die Fassung, den Glauben an den Menschen und alle Hoffnung zu verlieren – der Mittwochsbeilage „Natur und Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gab’s diese Woche einen Artikel über das Grübeln zu lesen. Der Psychologe Thomas Ehring von der Universität Amsterdam: „Es gibt aber einen dysfunktionalen Grübelprozess, der aufgrund seiner Abstraktheit das Problem weder löst noch eine emotionale Verarbeitung erreicht.“ (Man beachte das Wort „Grübelprozess“, phantastisch! Sicher eins der schönsten deutschen Komposita.) Und weiter: „Das Grübeln spielt eine entscheidende Rolle beim Einstieg in die Depression, bei ihrer Aufrechterhaltung und beim Rückfall.“
Von dieser beunruhigenden Erkenntnis ist es nur ein kleiner Schritt zu einer anderen: Uns stehen in Europa (dem glüblerisch-depressiven Kontinent par excellence), ja der ganzen Welt, anderthalb Wochen WM-Quali-Langeweile bevor. Und da geht das Grübeln erst richtig los: „Wie schön wäre es ohne diesen ganzen Krampf?“ „Was wäre, wenn es die Ligen und die europäischen Wettbewerbe auch in diesen anderthalb Wochen gebe?“ „Was wäre, wenn es die anvisierte europäische Superliga schon gebe?“ „Was wäre, wenn ...?“

Ja ... was wäre, wenn? Und was hat es eigentlich mit den Nationalstaaten auf sich? Sicher, man kann diese befürworten, die waren ja angeblich der Hort der Bürgerrechte und der neuzeitlichen Demokratie. Aber was ist eigentlich mit den Nationalmannschaften? Da kann man lange drüber grübeln, straight to Depression.
Und da sind wir auch schon bei der etwas konkreteren Frage, ob Nationalmannschaften in einem zusammenwachsenden Europa, innerhalb der sogenannten Europäischen Union also, nicht verboten gehören. Die Europäischen Kommission hat auf jeden Fall die Macht, das einfach so, über unsere Köpfe hinweg, zu entscheiden. (Am selben Tag, diesen Mittwoch, schrieb der Schweizer Autor Thomas Hürlimann in der FAZ – huch, schon wieder diese Zeitung! Ja, ich krieg’ Geld von denen; aber nicht viel – über die Brüsseler Politbürokratie, dass diese sich mehr und mehr dem sowjetischen Vorbild angleiche.)
Über solche Dinge nachzudenken, wird man also von der nervigen WM-Quali gezwungen. Und damit zum Grübeln. Und damit zum Unglücklichsein. Beweis durch Selbstversuch. Denn das muss man doch sagen: Mensch, die Wissenschaft ist schon echt verdammt schlau. Da grübelt man, und grübelt, und schon ist man ... ganz traurig.

Übrigens wird es wohl mit der europäischen Superliga (Zusammenfassung von Champions League und Uefa-Pokal) erst mal nix, laut Karl-Heinz Rumenigge. War scheinbar nur so eine Vision einiger Uefa- und Vereinsbonzen. Die seh’ ich dann nachher beim Neurologen unseres Vertrauens.

Montag, 23. März 2009

Alles umsonst? - Das war gestern.



Wie ich eben grad von der Uefa erfahren habe, gibt's diese Saison den Champions-League-Titel bereits für ein 6:0 über Malaga. Verstehe einer diese Fußballbonzen ... Aber mir gefällt's.

Mittwoch, 11. März 2009

Der Südligenbericht von Catherine Zeta-Bohlen

Südliche und allgemeine Adnoten

Muss auch mal sein – Lob des Status quo: Und der zeigt in Schpanien und Italien Barca bzw. Inter recht solide an der Tabellenspitze, mit sechs und mit sieben Punkten Vorsprung auf den Zweiten, hier Real MadRIP, dort Juventus Turin. Dabei hatten die Status-quo-Umstürzler, und das sind wohl alle Umstürzler irgendwie, in den letzten Wochen gar Morgenluft gewittert – Inter konnte nur dank des Schiris eine Heimpleite gegen die Roma verhindern, und Barca verlor erst das Derby gegen Espanyol und dann auch noch bei Atletico Madrid furios mit 3:4.
Doch manchmal kommt die aus den Fugen geratene Welt auch wieder in Ordnung, auch wenn das durchaus Ansichtssache sein mag (Pluralismus, ick hör’ dir trapsen!). So gewann Barca das vorgezogene Pokal-Endspiel gegen Athletic Bilbao mit 2:0. (Meta-Adnote: mit Barca und Bilbao standen sich die beiden Rekordpokalsieger Spaniens gegenüber – auch wenn man mit dem spanischen Staat so seine Probleme hat, den Pokal dieser förderalen Nation nimmt doch immer gerne mit.)
Zuvor hatte Christian Eichler in seiner „Eurogoals“-Kolumne auf faz.net noch geunkt, dass die Barca-Abwehr nur Mittelmaß sei, und dabei vergaß er scheinbar völlig, dass diese noch einer der besten Europas während der Hinrunde gewesen war. Ja, so schnelllebig und vergesslich macht der News-Druck der Presse das Hirn. Und darum werde ich die Sache im Auge behalten, quasi: Eichler-Watch.
Und Inter bewies am letzten Wochenende Souveränität und gewann beim starken CFC Genua. Wer also auf Unsicherheit und auf ungewisse Enden steht, hält sich wohl derzeit eher an den Ligen in Deutschland aka. ’schland, Frankreich oder Portugal schadlos.

Auch in der DDR gab’s einen Süden: Auch wenn man wegen Uwe Tellkamp und seines „Turm“-Romans mittlerweile nichts mehr gegen Dresden sagen darf, ohne in deutschen Feuilletonstuben auf der Stelle aufgeknüpft zu werden, erfreute es einen doch wieder sehr, am Sonntag im Berliner Jahn-Sportpark beim Spiel Union-Dynamo Dresden dem alten Berlin-Sachsen-Hass zu frönen. Es wurden die Klassiker, oder solche, die es sein wollen, auf den Rängen zum besten gegeben: „Ihr seid Sachsen, asoziale Sachsen ...“, „Union, die Fußballhure“, „Zack, Zack, Zack, Sachsenpack“ etc. pp.
Dynamo spielte ordentlich (hatte aber nicht annähernd die Qualität der Choreos der mitgebrachten Fans), Union besser und gewann verdient mit 2:1. Und ich war die größte Zeit des Spiels auf der verzweifelten Suche nach Glühwein, ohne Erfolg. Angeblich hatte ich die erzwungene Abstinenz im Stadion den sogenannten Sicherheitsvorkehrungen zu verdanken. Denn es gibt nun schon eine ganze Weile eine Art Privatfehde zwischen den Dynamos und der Berliner Polizei (Polizeipräsident Glietsch hatte beim letztjährigen Union-Dresden-Spiel gar versucht, den Verkauf von Gästekarten ganz zu verhindern). Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass die ehemaligen Polizeisportvereine (Dynamo Dresden, BFC) des realexistierenden Sozialismus auf deutschem Boden mittlerweile und immer wieder die größten Probleme mit der Polizei haben. Ironie? Ja! Ach so: Ha, ha, ha! – Ja, höret diese Worte: Die Ersten werden die Letzten sein. – Vielleicht ist Polizeipräsident Glietsch aber auch nur ein verdammter Spielverderber.

Was steht hinter einer möglichen EU-Erweiterung? – Was die Türkei betrifft, scheint der Fall klar zu sein: Europas Fußball und seine Gepflogenheiten sollen vor Langeweile bewahrt werden. Jörg Berger weiß da einiges zu berichten: Clubbosse mit Knarren, das Schlachten eines Rinds im Mittelkreis durch den neuen Trainer als erste Amtshandlung. Da stinken Beckham und seine Unterwäscheprobleme aber gewaltig gegen ab, Fräulein Old Europe!