Dienstag, 21. Juli 2009

Der Südligenbericht von Catherine Zeta-Bohlen

Ball-Rückeroberung durch den Stürmer

 Samuel Eto’o hat von seinem Trainer, Pep Guardiola, bis zum 27. Juli Sonderurlaub erhalten. Das ist ja eigentlich eine feine Sache, sollte man meinen. Jedoch: Wie schon im letzten Jahr zur Saisonvorbereitung ist der Stürmer aus Kamerun bei seinem Trainer mal wieder – oder immer noch – in Ungnade gefallen. Es scheinen mal wieder die üblichen Ränkespiele und Intrigen in und um der Vorstandebene zu sein. 

Ging es ursprünglich noch darum, einen zusätzlichen Stürmer für das Barca-Team der kommenden Saison ranzuholen (Eto’o wird im Januar zum Afrika-Cup abdüsen), riecht es nun nach Abschied. Zlatan Ibrahimovic soll im Tausch für Eto’o, plus Geld (zwischen 30 und 45 Mio Euros) plus Ausleihe von Alexander Hleb, von Inter kommen. Und der kleine Mann auf der Straße fragt sich, warum nur zum Teufel? 

Der „kicker“ von diesem Montag griff daher die gute alte Tradition des Vergleichens auf: Ibrahimovic (Ibra genannt – warum eigentlich nicht Movic?) vs. Eto’o (Eto’o genannt). Neben der Tatsache, dass der Kameruner mehr Tore erzielte und variabler als der Beuteschwede ist, scheinen die beiden recht ähnliche Qualitäten zu besitzen, sind also circa die besten Stürmer der Welt. Was allerdings bei Eto’o hervorsticht, ist seine Fähigkeit der Ball-Rückeroberung (immens wichtig für das ballbesitzorientierte Spiel der Katalanen). Nun werden sich viele fragen: Was ist das, diese Ball-Rückeroberung, und was ist davon zu halten? Erst einmal: etwas ganz Modernes tut das sein. Und: ähnlich zu bewerten wie das frühe Aufstehen bzw. Wiederauferstehen nach einer total durchzechten Nacht, koste es, was es wolle, aua, aua und so, schnell ins Bad, Handvoll Tabletten runterspülen, gegen die brüllenden Kopfschmerzen, oder gar noch ein Konterbier oder -schnaps, um den wütenden Restalk zu beruhigen, die Stullen geschmiert und die Kinder angezogen und mit dem Volvo hurtig zum Kindergarten gebracht – life und show muss ja weitergehen und das Angriffsspiel selbstverständlich auch. 

Und trotz dieser famosen Fähigkeit wollen sie Eto’o scheinbar loswerden. Denn wenn man so mordserfolgreich wie Guardiola ist, dann kann man gegenüber der Clubführung fast alle Forderungen stellen. Eto’o scheint nun mal kein pflegeleichter Typ zu sein, genauso wie es Guardiola als Spieler einst war – rebel without/with a cause. Und nun soll’s also ein anderer, nicht gerade als pflegeleicht Verschriener richten (Motto: Tyson statt Muhammed Ali), zu einem hohen Preis – die Euros und die Hleb-Ausleihe (wenn auch Keita und Touré zum Afrika-Cup abdüsen, dürfte jeder Mittelfelder gebraucht werden). Eine Alternative wäre noch David Villa vom FC Valencia. Doch die verlangten 50 Mio sind Barca zu heftig, auch wenn der Stürmer mit seinen Gehaltsvorstellungen schon nach unten ging. 

Sei’s drum, wie deine Mutti immer sagt. – Die Inter-Barca-Connection zeigt vielleicht vor allem eines: Barca könnte wegen der Mega-Deals Real Madrids doch kalte Füße bekommen haben. Und dann hätten sie es ja mal wieder geschafft, diese weißen Teufel (wie meine Mutti immer sagt). 

PS: Mein Vorschlag zur Güte: den jungen Bojan ins Getümmel schmeißen und ihn zum besten und bestaussehendsten Stürmer der Welt werden lassen. Wenn nix mehr geht, muss es halt der Nachwuchs richten. Das ist im Fußball genauso wie bei den Schulden. 

Freitag, 3. Juli 2009

Der Akustikbericht von Catherine Zeta-Bohlen

Trööööööööööööööööööööt!!!!!!!!!!!!!!

So langsam geht auch mir auf, warum Spanien nicht den Confed-Cup gewonnen hat (abgesehen davon, dass er vielleicht einigen Spielern doch ein wenig am Arsch vorbei ging, wie man das früher so nannte): Die Plastetröten des höchst einfallsreichen Publikums in Südafrika waren schuld!

Da ich natürlich keine bösartige Kulturimperialistin bin, verbuche ich den (übrigens zu dieser ganzen Confed-Farce passenden) Krach mal unter „exotische Eigenheiten eines anderen Landes“. Allerdings: So einfach ist die Sache dann doch nicht. Die zuerst diebische Freude darüber, dass Seppel Blatter demnächst wohl im Wartezimmer eines HNO-Arztes rumsitzen muss, wich ziemlich bald der Befürchtung, dass das der Sound der WM 2010 werden könnte, was wiederum heißen würde: Fußballkucken ohne Ton, was wiederum heißen würde: Fußball ohne Publikum. Und das würde heißen, dass nach der zunehmenden Verarmung des Visuellen im Stadion (Stichwort: Bengalo-Verbot) nun auch die des Akustischen folgen würde, und das auf diesem Wege, wer hätte das gedacht? – Ja, klar, diese Art des Trötens ist durchaus immer noch in manchen Fußballstadien Ostdeutschlands zu hören, allerdings sind die Dinger da aus Blech und nicht aus Plastik und es sind meistens auch nur zwei, nicht zwanzigtausend.

Doch vielleicht werden es ja bald so viele auch in europäischen, in deutschen Stadien sein. Dafür möchte zumindest ein Unternehmer sorgen, der sich vorausschauend schon vor Jahren die Rechte für den hiesigen Markt gesichert hat. Dann wären die Zeiten vorbei, in denen man im Stadion die Augen schließen und nur anhand der für den Fußball so typischen Geräusche erkennen konnte: nun dringen sie in den Strafraum ein!, der blöde X hat sich mal wieder verdribbelt, haha!, ach, der simuliert doch bloß!, oh Gott, dieser Chancentod! ... und auch die Gesänge, ob Schmäh, ob Huld, wären dann verschwunden ... Und damit hätten wir dann den Salat: endgültiger Untergang des Abendlandes!

Wer nicht untergehen möchte, schaut mal hier vorbei. Den anderen kann noch die Spengler-Lektüre ans Herz gelegt werden, und die FAZ zum Thema.